Jahrestagungen

Von der ASI wird jährlich eine Fachtagung durchgeführt. Seit 1990 erscheinen die überarbeiteten Referate der ASI-Jahrestagungen im R. Oldenbourg-Verlag, ab 1994 im LESKE+BUDRICH Verlag, ab 1998 im NOMOS Verlag, Baden-Baden und seit 2002 bei GESIS.

Inzwischen ist es uns gelungen, beim VS-Verlag für Sozialwissenschaften in Wiesbaden eine eigene ASI-Publikationsreihe zu etablieren.

In den letzten Jahren wurden die folgenden Schwerpunktthemen behandelt:

2017 | Qualitätssicherung sozialwissenschaftlicher Erhebungsinstrumente

Natalja Menold & Tobias Wolbring (Hrsg.)

Qualitätssicherung sozialwissenschaftlicher Erhebungsinstrumente

Schriftenreihe der ASI -
Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute
2019, 416 Seiten
Softcover ISBN 978-3-658-24516-0 | eBook ISBN 978-3-658-24517-7
54,99 € | 42,99 €

Zu beziehen über den Buchhandel oder direkt beim Springer VS.

  

Die Qualität sozialwissenschaftlicher Erhebungsinstrumente hat wesentlichen Einfluss auf die Belastbarkeit empirischer Schlussfolgerungen, die auf Grundlage von Umfragedaten gezogen werden. Der vorliegende Band stellt daher die Qualität von Erhebungsinstrumenten sowie Verfahren zur Bestimmung und Verbesserung ihrer Güte in den Mittelpunkt. Vertieft werden insbesondere Themen der Fragebogenkonstruktion, qualitative Techniken zum Pretesting, Ansätze zur Antwortvalidität sowie Gestaltungsfragen eines Qualitätsmanagements für Umfragen in der Praxis.

Inhalt

  • Messqualität und Messprobleme in der Fragebogenkonstruktion
  • Qualitätssicherung durch qualitative Techniken
  • Ansätze zur Antwortvalidität
  • Qualitätsmanagement in der Praxis

Herausgeber

PD Dr. Natalja Menold ist wissenschaftliche Teamleiterin am GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften und Privatdozentin an der Universität Mannheim, Fakultät für Sozialwissenschaften.

Prof. Dr. Tobias Wolbring hat den Lehrstuhl für Empirische Wirtschaftssoziologie an der FAU Erlangen-Nürnberg inne.


Gemeinsame Tagung der Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute e. V. (ASI)
und der Sektion Methoden der empirischen Sozialforschung
am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin am 10./11. November 2017

Die Qualität sozialwissenschaftlicher Erhebungsinstrumente hat wesentlichen Einfluss auf die Belastbarkeit empirischer Schlussfolgerungen, die auf Grundlage von Umfragedaten gezogen werden. Die ASI und die DGS-Sektion „Methoden der empirischen Sozialforschung“ stellten daher die Qualität von Erhebungsinstrumenten, Verfahren zur Bestimmung ihrer Güte und Methoden der Qualitätssicherung in den Mittelpunkt der gemeinsamen Herbsttagung. Die Tagung umfasste einen breiten Komplex an Themen und traf mit ca. 80 Teilnehmenden auf breites Interesse. Die insgesamt 13 Vorträge waren in fünf inhaltliche Sessions gegliedert, die sich den Themen „Kognitive & Mixed-Method-Ansätze“, „Messäquivalenz“, „Effekte der Erhebungssituation“, Effekte des Erhebungsinstruments“ und „innovative Ansätze & Perspektiven“ widmeten.

Nach Grußworten durch Bärbel-Maria Kurth (RKI), Frank Faulbaum (Universität Duisburg-Essen & Vorstandsvorsitzender der ASI) und Tobias Wolbring (FAU Erlangen-Nürnberg & Sprecher der Methodensektion) begann die Tagung mit dem Vortrag von Cornelia Neuert (GESIS). Anhand zweier empirischer Studien konnte Neuert zeigen, dass sich durch Eye-Tracking zusätzliche Probleme in kognitiven Pretests aufdecken lassen und wie sich die Technik bei kognitiven Pretests sinnvoll eingebinden lässt. Der zweite Vortrag von Arne Bethmann und Christina Buschle (DJI) stellte ebenfalls kognitive Pretests in den Mittelpunkt und unterbreitete den programmatischen Vorschlag, qualitative Forschungsmethoden, wie problemzentrierte und diskursive Interviewtechniken, stärker bei Pretests einzusetzen. Katharina Meitinger (GESIS) stellte in ihrer Präsentation zwei Ansätze zur Untersuchung von Messinvarianz gegenüber und demonstrierte deren Stärken und Schwächen anhand einer Anwendung zum Thema Nationalismus. Die konfirmatorische Faktorenanalyse erscheint dafür geeignet, Messäquivalenz für eine größere Zahl von Gruppen (z.B. Länder) zu untersuchen, während Web-Probing ein besseres Verständnis von Äquivalenzproblemen liefert. Die erste Session wurde mit dem Vortrag von Folke Brodersen (DJI) abgeschlossen, der Spezifika der Qualitätssicherung bei der Befragung von Jugendlichen mit geistiger Behinderung diskutierte und Herausforderungen „inklusiver Methoden“ herausarbeitete.

Ein Highlight der Tagung fand anschließend mit der Keynote von Andreas Diekmann (ETH Zürich & Wissenschaftskolleg Berlin) statt. Ausgehend von Problemen sozialer Erwünschtheit stellte Diekmann methodische Verfahren zur Steigerung der Anonymität der Befragungssituation dar. Diese sollten – so die Hoffnung – die Validität von Antworten im Vergleich zu direkten Fragen deutlich erhöhen. Die Randomized-Response-Technik (RRT) erwies sich empirisch – entgegen der ursprünglichen Erwartungen – nicht als „Wundermittel“ gegen Probleme sozialer Erwünschtheit. Wie in mehreren Validierungsstudien gezeigt werden konnte, besteht nämlich nicht nur ein Trade-Off zwischen der Effizienz der Schätzung und der Antwortvalidität. Vielmehr kann RRT wie auch deren Weiterentwicklung in Form des Crosswise-Modells tatsächliche Prävalenzen überschätzen. Allerdings gibt es neuere 
Ansätze, welche vermutlich nicht unter diesen Problemen leiden und daher, so das Fazit, hoffnungsfroh stimmen lassen. Im Anschluss daran gab Frank Faulbaum die Preisträger des erstmals verliehenen ASI-Nachwuchspreises bekannt. Prämiert wurde zum einen die Soziologin Stefanie Jähnen (WZB) für einen in der KZfSS erschienen Artikel zu den Effekten schulrechtlicher Reformen auf die Bildungsungleichheit, zum anderen der Politikwissenschaftler Robert A. Huber (ETH Zürich) für einen in der ZfVP publizierten Beitrag zu den Konsequenzen der Ausbreitung rechtspopulistischer Parteien für die Demokratiequalität in Europa.

Danach folgte eine Session, welche die Thematik Messäquivalenz weiter vertiefte. Jessica Fischer (DIPF) setzte sich mit der internationalen Vergleichbarkeit von Unterrichtsqualitätsmessungen in PISA auseinander. So konnte empirisch belegt werden, dass Messäquivalenz für viele Länder nicht gegeben ist. Gruppiert man die Länder nach Sprachgruppen und legt ein schwächeres Kriterium an, sieht das Bild jedoch positiver aus. Während dieser Vortrag damit nach Messinvarianz auf Länderebene fragte, stand im Beitrag von Antje Rosebrock (Universität Mannheim) Messinvarianz für Personen mit und ohne Migrationshintergrund innerhalb eines Landes im Mittelpunkt. Auf Basis des niederländischen LISS-Panels dokumentierte die Autorin, dass ein naiver Ansatz, der Messfehler ignoriert, bei Mittelwertenvergleichen zu falschen Schlüssen kommt, weshalb die Daten vor der Analyse zu korrigieren sind.

Den Abschluss des ersten Tages bildeten zwei Vorträge zu Effekten der Erhebungssituation. Hawal Shamon (Forschungszentrum Jülich) thematisierte Probleme bei Online-Umfragen, die sich aus einer mangelnden intrinsischen Motivation der Respondenten ergeben. Auf Grundlage zweier Studien wurde daher empfohlen, Kontrollinstrumente zur Aufdeckung mangelnder Aufmerksamkeit einzusetzen. Verena Ortmanns (GESIS) wies schließlich auf Inkonsistenzen bei der ISCED-basierten Bildungsmessung in unterschiedlichen internationalen Umfragen hin. Als erklärungsrelevant erwiesen sich für diese Unterschiede Umfragecharakteristika, wie das Vorgehen bei der Codierung und die Umfrageorganisation.

Am Samstag begann die vierte Session „Effekte des Erhebungsinstruments“ mit der Präsentation von Natalja Menold (GESIS). Ihr Thema war die Fragestellung, inwieweit doppelte Stimuli die Messqualität beeinflussen. Die vorgestellten Experimente zeigten, dass Personen ähnliche Stimuli unterschiedlich bewerten. Anstatt jedoch Items ad hoc zu verändern, sollte stattdessen bereits beim Entwurf der Items auf deren Eindimensionalität geachtet werden. Im Anschluss rückten Jan Karem Höhne und Stephan Schlosser (Universität Göttingen) die Verbalisierung von Antwortskalen in den Mittelpunkt. Während ausgewogen beschriftete und endpunktbenannte Skalen in einer Studierendenbefragung zu sehr ähnlichen Antwortverteilungen führten, lieferten unausgewogen benannte Skalen differierende Resultate. Letzterer Ansatz erscheint daher nicht empfehlenswert.

Die letzte Session „Innovative Ansätze und Perspektiven“ wurde von Knut Petzold (Universität Bochum) eröffnet. In der vorgestellten Studie verglichen die Autoren faktorielle Surveys zu diskriminierendem Verhalten mit Resultaten verdeckter Feldexperimente. Vignetten lieferten zwar keine validen Schätzungen der Verteilung realen Verhaltens, jedoch zeigten sich in beiden Studien ähnliche Verhaltensdeterminanten. Der vorletzte Vortrag von Hans Dietrich (IAB) behandelte
 
Effekte sozialer Erwünschtheit bei der Befragung junger syrischer Fluchtmigranten. Die aus Registerdaten gezogene Stichprobe IAB-WELLCOME erlaubte es dabei, die Abhängigkeit des Antwortverhaltens auf heikle Fragen von Umfragemodus und Interviewergeschlecht nachzuweisen. Abgeschlossen wurde die Tagung mit einem Vortrag von Gina Schöne (RKI), die Anforderungen an ein effektives Qualitätsmanagement epidemiologischer Studien veranschaulichte. Als zentrale Herausforderungen wurden u.a. Abstimmungsprozesse zwischen Stakeholdern, aber auch eine zielorientierte Führung des Qualitätsmanagements identifiziert.

Natalja Menold, GESIS
Tobias Wolbring, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

2016 | Geflüchtete als Herausforderung für die empirische Sozialforschung

Methodisches Design und erste Felderfahrung der IAB-BAMF-SOEP-Flüchtlingsstudie

Tagung der Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute (ASI e.V.)
zugleich Adhoc-Gruppe im Rahmen des Kongresses für Soziologie der DGS in Bamberg,
28. September 2016

Jürgen Schupp
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Deutschland

Der seit Mitte 2015 zu beobachtende Flüchtlingszustrom stellt derzeit nicht nur die Politik, Verwaltung und die Bevölkerung vor enorme Herausforderungen. Auch die empirische Sozialforschung mit ihren amtlichen wie wissenschaftsgetragenen statistischen Forschungsdaten ist gefordert, eine verbesserte empirische Datengrundlage zu schaffen. Dies betrifft vor allem auch die Verbesserung der für Sekundäranalysen zugänglichen Forschungsdateninfrastruktur über Geflüchteter.

Die am DIW Berlin angesiedelte Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) hat auch bereits in der Vergangenheit solche Herausforderungen aufgrund von Migration nach Deutschland mit speziellen Zuwanderungssamples angenommen. Aufbauend auf den jüngsten Erfahrungen im Jahr 2013 und 2015, als das SOEP in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) begonnen hat, eine Erhebung bei Neuzuwanderern durchzuführen (IAB-SOEP-Migrationsstichproben), wurde Ende letzten Jahres erneut eine Kooperation zwischen dem IAB und dem SOEP am DIW Berlin sowie zusätzlich dem Forschungszentrum beim Bundesamt für Migration und Flüchtlingen (FZ-BAMF) eingegangen.

Im Jahr 2016 wird nunmehr im Anschluss an eine qualitative Vorstudie gemeinsam von den drei Instituten eine große zufallsbasierte Stichprobe von in Deutschland registrierten Flüchtlingen auf Grundlage des Ausländerzentralregisters gezogen werden, die zudem als Längsschnittuntersuchung angelegt sein soll. In der IAB-BAMF-SOEP-Flüchtlingsstichprobe werden knapp 2.000 erwachsene Geflüchtete im zweiten Halbjahr 2016 erstmals befragt werden. Mit der Durchführung der Erhebung wurde TNS Infratest Sozialforschung, München, beauftragt. Die Studie wird etliche Überlappungen mit der seit nunmehr 30 Jahre laufenden Leibniz-Langzeitstudie SOEP haben. Ende 2016 soll ein erster Bericht der Studie erstellt werden und im Jahr 2017 sollen die anonymisierten Daten der gesamten nationalen wie internationalen scientific community für Forschungszwecke im nutzerfreundlichen Format bereitgestellt werden. Der Beitrag liefert einen Überblick zum methodischen wie inhaltlichen Design der Studie und stellt erste Felderfahrungen der Pilotphase der Studie zur Diskussion.

Methodische Herausforderungen bei der qualitativen Befragung von Flüchtlingen und Migranten in Deutschland

Ulrike Mangold, Astrid Kunert
QMR - Qualitative Mind Research, Deutschland

Die die im Rahmen des Vortrages vorgestellte Studie wurde im Sommer 2015 initiiert. Die Anzahl der nach Deutschland einreisenden Flüchtlinge überstieg damals alle erwarteten Dimensionen und somit standen nicht nur in der öffentlichen Meinung, sondern auch im wissenschaftlichen Kontext drei zentrale Fragestellungen im Raum:

  • Wer sind diese Menschen, die nach Deutschland kommen?
  • Welche Lebens- und Arbeitserfahrung bringen sie mit?
  • Und wie können die Weichen frühzeitig gestellt werden, damit Integration gelingt?

In Kooperation begegneten das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB Nürnberg), das Sozioökonomischen Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und das Forschungszentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF-FZ) in Zusammenarbeit mit QMR - Qualitative Mind Research (München) dem großen Erkenntnisinteresse mit einer "lernenden Studie". Der Fokus war auf die Geflüchteten selbst gerichtet, um erste Antworten zu den dringlichsten inhaltlichen aber auch forschungsmethodischen Fragen liefern zu liefern.

Zwischen November 2015 und März 2016 wurden insgesamt 123 Flüchtlinge und Migranten aus 13 Nationen befragt, die im Zeitraum 2013 bis 2015 nach Deutschland eingewandert sind. Die in Deutschland Schutzsuchenden hatten hierbei oft zum ersten Mal Gelegenheit, mit Hilfe eines Dolmetschers in einem geschützten Raum über sich, ihre Biografien, ihre Betroffenheit von Krieg, Verfolgung und Gewalt zu berichten, ihre Erlebnisse und Erfahrungen auf der Flucht zu schildern und darüber zu sprechen, wie sich ihre Situation in Deutschland gestaltet und wie sie diese für sich interpretieren.

Bei der vorgestellten Untersuchung handelt es sich um eine Grundlagenstudie mit dem Ziel, erste Einblicke in verschiedene, mit Flüchtlingserfahrungen assoziierte Themengebiete zu erlangen und auch die Erforschbarkeit dieser Themen zu eruieren.

Der Vortrag greift folgende forschungsrelevante Themen der beschriebenen Studie auf:

Implikationen zu Methodik und Durchführung wie

  • Stichprobe
  • Rekrutierung
  • Interview Setting
  • Einsatz von Dolmetschern
  • Incentivierung
  • Befragbarkeit bestimmter Themen
  • Reflexion der Studienmethodik

Flüchtlinge schriftlich befragen? Methodische Herausforderungen und Erfahrungen aus der BAMF-Flüchtlingsstudie 2014

Susanne Worbs, Axel Böhm
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Deutschland

Momentan gibt es in Deutschland ein großes Interesse an Erkenntnissen über die Sozialstruktur und die Lebenslage von Flüchtlingen, aber (noch) relativ wenige Erfahrungen mit empirisch-quantitativen Untersuchungen dieser Zielgruppe. Das Forschungszentrum Migration, Integration und Asyl im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat im Sommer 2014 erstmals eine groß angelegte, gezielt auf Flüchtlinge ausgerichtete Befragung durchgeführt. Untersucht wurden dabei Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge aus sechs in Deutschland relevanten Asylherkunftsländern (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Sri Lanka und Syrien). Die Studie erfolgte auf schriftlichem Wege mittels eines zugesandten Fragebogens; die Adressen der Zielpersonen wurden über das Ausländerzentralregister (AZR) und lokale Ausländerbehörden ermittelt.

Der Vortrag soll zunächst das Untersuchungsdesign im Detail vorstellen und die damit verbundenen methodischen (u.a. bei der Fragebogenkonstruktion), aber auch ethischen Fragen (Befragung durch die "Asylbehörde") erörtern. Weiterhin werden praktische Erfahrungen bei der Untersuchungsdurchführung dargestellt. Aufgrund der insgesamt hohen Teilnahmebereitschaft der angeschriebenen Personen und eines entsprechenden Rücklaufs können schließlich auch Daten und Berechnungen zu spezifischen methodischen Aspekten präsentiert werden. Dies betrifft z.B. die Frage, inwiefern Analphabeten und gering gebildete Menschen erreicht werden konnten. Auch die Nutzung verschiedener Sprachversionen des Fragebogens (angeboten wurden neben Deutsch jeweils zwei in dem jeweiligen Herkunftsland geläufige Sprachen) und der Zusammenhang dieses Merkmals mit verschiedenen der erhobenen Integrationsindikatoren wird thematisiert. Abschließend werden die Resultate mit Blick auf die künftige Forschungspraxis zusammengefasst und bewertet.

Wege in Deutschland - Eine Analyse integrationsfördernder und -hemmender Faktoren bei Flüchtlingen

Elisabeth Hahn, Martin Obschonka, Nida ul Habib Bajwa
Universität des Saarlandes, Deutschland

Im Jahr 2015 ereignete sich eine enorme Flüchtlingswelle, welche unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen stellt, die neben der Versorgung, insbesondere die Integration der Schutzsuchenden in die hiesige Gesellschaft betreffen. Bisher herrscht jedoch Unklarheit darüber, welche Faktoren einen erfolgreichen und langfristigen Integrationsprozess bedingen. Im Fokus des großangelegten Projekts "Wege in Deutschland" steht daher die Identifikation integrationsfördernder und -hemmender psychosozialer Einflussfaktoren besonders in den Bereichen der sog. nicht-kognitiven Faktoren (z.B. Motivation, Kontrollüberzeugungen) sowie persönlichkeitsrelevanten Aspekten (z.B. Selbstregulation, Zukunftsvorstellungen). Ein weiterer Kernbereich bezieht sich auf Gründungsmotivationen und -perspektiven. Eine erfolgreiche Integration wird im Rahmen des Projekts insbesondere im Sinne einer schulischen oder beruflichen Perspektive bzw. Laufbahn verstanden. Für die vorliegende Studie werden daher Asylberechtigte bzw. Flüchtlinge zwischen 17 und 45 Jahren innerhalb eines Zeitfensters von ca. 4 Monaten nach ihrer Ankunft in der Bundesrepublik Deutschland erstmalig befragt. Im vorliegenden Beitrag soll die aktuelle Stichprobe vor dem Hintergrund vergangener und zukünftiger Herausforderungen bei der Realisierung einer möglichst selektionsfreien Akquise von Teilnehmern vorgestellt werden. Erste deskriptive Befunde sowie der weitere Verlauf der Studie werden dargestellt und diskutiert.

Methodische Herausforderungen der qualitativen und quantitativen Datenerhebung bei Geflüchteten

Susanne Lochner, Dominik Huber, Sonja Haug
Ostbayerische Technische Hochschule OTH Regensburg, Deutschland

Mit der Zunahme an Geflüchteten in Deutschland geht ein erhöhtes Bedürfnis nach empirischen Daten zu den angekommenen Menschen einher. Eine valide Datengrundlage ist Voraussetzung für ein besseres Verständnis über Beweggründe, soziostrukturelle Voraussetzungen und Einstellungen der Geflüchteten und kann dazu beitragen, eine Integration in die Aufnahmegesellschaft an die Bedürfnisse und Kompetenzen der Flüchtlinge anzupassen. Des Weiteren können nach wissenschaftlichen Kriterien erhobene Daten zu einem Abbau von gesellschaftlichen Vorurteilen führen.

Sozialforscher stehen vor der Herausforderung, Instrumente zu entwickeln, um empirische Daten unter erschwerten Bedingungen in Flüchtlingsunterkünften zu erheben. Aufgrund der aktuellen, teils unklaren Datenlage über Asylsuchende in Deutschland gibt es keine Auswahlgrundlage für eine bundesweite Zufallsstichprobe. Traumatische Erfahrungen in der Heimat und auf der Fluchtroute, beengte Unterbringung in Unterkünften sowie unsichere Zukunftsaussichten erfordern einen sensiblen Umgang mit den Befragten. Des Weiteren lässt sich eine relativ hohe Zahl an Analphabeten, eine große sprachliche Vielfalt und unterschiedliche Wertvorstellungen unter den Geflüchteten vermuten, was innovative Strategien erfordert, um valide Daten zu erheben. Der Vortrag basiert auf Erfahrungen aus dem Forschungsprojekt "Flüchtlinge in Bayern", einer Pilotstudie, die von der Hanns-Seidel Stiftung in Auftrag gegeben wurde. Die Studie hat zum Ziel, in Bayern lebende Flüchtlinge in Bezug auf Erfahrungen, Einstellungen und Bleibeabsichten zu beschreiben und zu charakterisieren. Eine standardisierte Befragung erhebt Werteorientierung, Religiosität und Bleibeabsichten von bis zu 750 Asylsuchenden in Nürnberg und dem Münchner Umland. In persönlich-mündlichen Interviews werden zudem 12 exemplarische Biographien erhoben. Die Rekrutierung der Teilnehmer basiert auf einem Gatekeeper-Ansatz, der Verwaltungsmitarbeiter und Flüchtlinge selbst in die Datenerhebung mit einbezieht. Dies soll dazu beitragen, Vertrauen zu schaffen und sprachliche Einschränkungen zu minimieren. Im Rahmen des Vortrags sollen Erfahrungen aus der Datenerhebung in Flüchtlingsunterkünften diskutiert werden. Der präsentierte methodische Ansatz kann für zukünftige Studien über Flüchtlinge als Hilfestellung dienen, methodische Herausforderungen der Datenerhebung zu beurteilen.

2015 | Mixed-Mode-Befragungen

S. Eifler & F. Faulbaum (Hrsg.)

Methodische Probleme von Mixed-Mode-Ansätzen in der Umfrageforschung

Schriftenreihe der ASI -
Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute
2016, 272 Seiten
Softcover ISBN 978-3-658-15833-0 | eBook ISBN 978-3-658-15834-7
44,99 € | 39,99 €

Zu beziehen über den Buchhandel oder direkt beim Springer VS.

 


Der Band vereinigt Beiträge aus der aktuellen Forschung zu Methoden der gleichzeitigen Anwendung unterschiedlicher Kommunikationsformen in einem Survey (sog. Mixed-Mode-Surveys). Mit Survey-Designs dieser Art können verschiedene Ziele verbunden sein. Dazu gehören etwa eine Reduktion der Erhebungskosten und eine Reduktion von Stichprobenverzerrungen. Der vorliegende Band beschäftigt sich mit den Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes dieser Verfahren sowie mit deren Auswirkungen auf verschiedene Aspekte der Datenqualität.

  • Optimierung von Umfragedesigns
  • Vermeidung von methodischen Irrtümern
  • Neueste Forschungserkenntnisse

     

gemeinsame Tagung der Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute e.V. (ASI)
und der Sektion „Methoden“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie

Die Einbeziehung unterschiedlicher Befragungsarten in Umfragen ist und bleibt ein wichtiges Thema in der Umfrageforschung. Insbesondere die Entwicklung neuer Erhebungstechnologien und soziodemographischen Veränderungen in der Bevölkerung führen immer wieder zu neuen Möglichkeiten und Einschränkungen des Mode-Einsatzes. In diesem Zusammenhang muss immer wieder die Frage gestellt werden, ob die Integration unterschiedlicher Befragungsformen tatsächlich zu einer Erhöhung der Umfragequalität führt. Die diesjährige Tagung widmet sich schwerpunktmäßig dieser zentralen Frage. Weiterhin werden praktische Beispiele vorgestellt, wie man unterschiedliche Befragungsarten miteinander verbinden kann.

The use of different survey modes is and continues to be a matter of concern for survey research. The development of new data collection techniques and processes of demographic change raise questions concerning the problems and prospects of including different survey modes. In particular, the issue of survey quality gives cause for concern. The conference is dedicated to this topic. In addition, various examples are presented how different modes could be combined.

Prof. Dr. Stefanie Eifler, Katholische Universität Eichstätt
Prof. Dr. Frank Faulbaum, Universität Duisburg-Essen und Vorstand der ASI
 


 

2014 | Methoden-Integration in der empirischen Sozialforschung

Tagung der Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute (ASI e.V.)
zugleich Adhoc-Gruppe im Rahmen des Kongresses für Soziologie der DGS in Trier,
6.-10. Oktober 2014

Im Hinblick auf die Methoden der empirischen Sozialforschung unterscheidet die Soziologie traditionell zwischen der quantitativen und der qualitativen Sozialforschung. Dabei ist die Frage seit langem umstritten, welcher der beiden Typen von Methoden eher für die soziologische Forschung geeignet ist. In der neueren Diskussion über die Methoden der empirischen Sozialforschung werden aber zunehmend Wege gesucht, beide Typen von Methoden zu integrieren. Dazu werden neuere Methoden verwendet, die sich keiner der beiden Methoden-Traditionen eindeutig zuordnen lassen, wie etwa die Qualitative Comparative Analysis (QCA) (Ragin, 2000, Schneider/Wagemann, 2012) oder bestimmte Varianten des Process Tracing (z.B. Mahooney, 2012). Außerdem werden auch quantitative und qualitative Methoden in neuartiger Art und Weise im Rahmen von Ansätzen der Triangulation (Flick 2008) oder der mixed methods kombiniert (vgl. Bryman, 2008; Keller, 2007).

Die ASI greift die Diskussion über neuere Ansätze und Fragen zur Methoden-Integration auf. Dazu sind drei theoretische Beiträge zu der Frage geplant, inwieweit neuere Ansätze zur Methoden-Integration dazu beitragen können, die traditionelle Spaltung zwischen quantitativer und qualitativer empirischer Sozialforschung zu überwinden. Abschließend soll eine Podiums-Diskussion durchgeführt werden, in der über die Ansätze und Kontroversen zur Integration quantitativer und qualitativer Methoden diskutiert werden soll.

Programm der Tagung
10. Oktober, 9.00-11.45 Uhr, Raum P 12

Begrüßung und kurze Einführung in die Thematik

1. Sitzung: Mixed Methods

Leitung: Paul Hill

  • Udo Kelle, Helmuth-Schmidt-Universität Hamburg - Mixed Methods und ihre Anwendungsfelder
  • Ingrid Tucci, SOEP/DIW Berlin - Empirische Mixed Methods Projekte – Erfahrungen mit SOEP-Daten
  • Nicolas Legewie, DIW Berlin - Der Stellenwert von Qualitativer Comparativer Analyse im Kontext von quantitativer und qualitativer Sozialforschung

Kaffee-Pause

2. Sitzung: Podiums-Diskussion

Diskussions-Leitung: Jürgen Schupp

  • Hans-Jürgen Andreß, Universität zu Köln, Podiums-Diskussion
  • Nina Baur, TU Berlin, Podiums-Diskussion
  • Stefan Hirschauer, Johannes Gutenberg Universität Mainz, Podiums-Diskussion
  • Udo Kelle, Helmuth Schmidt Universität Hamburg
  • Rainer Schnell, Universität Duisburg-Essen, Podiums-Diskussion
  • Ingrid Tucci, SOEP/DIW Berlin

Literatur

Bryman, Alan (2008). Why do Researchers Integrate/Combine/Mesh/Blend/Mix/Merge/Fuse Quantitative and Qualitative Research? In M.M.E. Bergman (ed.), Advances in Mixed Methods Research. Theories and Applications, Los Angeles: Sage.

Flick, Uwe (2008). Triangulation. Eine Einführung. 2. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Kelle, Udo. (2007). Die Integration qualitativer und quantitativer Methoden der empirischen Sozialforschung, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Mahoney, J. (2012). The Logic of Process Tracing in Social Science, Sociological Methods & Research 2012, 41, S. 570

Ragin, C. (2000). Fuzzy-set social science, Chicago, University of Chicago Press.

Schneider, C.Q., Wagemann, Claudius (2012). Set-Theoretic Methods: A User’s Guide for Qualitative Comparative Analysis and Fuzzy Sets in Social Science. Cambridge: Cambridge University Press.   

2013 | Nonresponse Bias

Gemeinsame Tagung der Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute (ASI e.V.) und
der Sektion Methoden der Empirischen Sozialforschung in der DGS

Die Ausschöpfungsraten von sozialwissenschaftlichen Erhebungen in Deutschland befinden sich im Vergleich zur Situation vor 20 Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau. Anspruchsvolle Umfragen mit genauer Überwachung des Feldes sowie kontrollierten Bruttostichproben erreichen aktuell selten eine bessere Ausschöpfung als etwa 35 Prozent.

Damit wird die Frage nach der Qualität dieser Umfragen immer drängender. Bilden solche Stichproben noch die Lebenslagen, Einstellungen und Verhaltensweisen der jeweiligen Grundgesamtheit ab? Wie groß ist ihre Selektivität bzw. ihre Verzerrung, also der Nonresponse Bias? Wie geeignet sind Gewichtungs- und Hochrechnungsverfahren, um trotz geringer Ausschöpfungsquoten verallgemeinerbare Schlüsse auf die Grundgesamtheit ziehen zu können.

In ihrer gemeinsamen Tagung wollen die Arbeitsgemeinschaft sozialwissenschaftlicher Institute (ASI e.V.) und die Sektion Methoden der Empirischen Sozialforschung in der DGS diesen Fragen nachgehen.


Jürgen Schupp & Christof Wolf Christof (Hrsg.)

Nonresponse Bias
Qualitätssicherung sozialwissenschaftlicher Umfragen

Schriftenreihe der ASI -
Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute
2015, 478 Seiten, 32 Abb.
Softcover ISBN: 978-3-658-10458-0 | eBook ISSN: 978-3-658-10459-7
69,99 € | 54,99 €

Zu beziehen über den Buchhandel oder direkt beim Springer VS.


Die Qualitätssicherung sozialwissenschaftlicher Umfragen ist in den letzten Jahren zu einem großen Thema geworden. Bilden Stichproben mit vergleichsweise geringer Beteiligungsquote noch die Lebenslagen, Einstellungen und Verhaltensweisen der jeweiligen Grundgesamtheit ab? Wie groß ist ihre Selektivität bzw. ihre Verzerrung, also der Nonresponse Bias? Wie geeignet sind Gewichtungs- und Hochrechnungsverfahren, um trotz geringer Ausschöpfungsquoten gleichwohl verallgemeinerbare Schlüsse auf die Grundgesamtheit ziehen zu können?

Das Buch bereichert den Stand der Forschung im Bereich Surveymethodologie und leistet einen lesenswerten Beitrag zur gesamten surveydatengestützten quantitativen empirischen Sozialforschung.

  • Wie aussagekräftig sind Umfragenstichproben bei geringer Beteiligungsquote?
  • Methodenübergreifende Analysen zur Reduzierung einer Verzerrung der Aussagen
  • Ein zentraler Beitrag zur Qualitätssicherung in der Umfrageforschung anhand internationaler Standards

2012 | Migration und Bildung

Donnerstag 4. Oktober 2012, 14.15 bis 17.00 Uhr
im Rahmen des Soziologiekongresses in Bochum/Dortmund

Die diesjährige Jahrestagung der ASI findet im Rahmen des Soziologiekongresses statt. Dazu konnten wir renommierte Referentinnen und Referenten zum Themenfeld ‚Migration und Bildung‘ gewinnen. In der soziologischen und politischen Diskussion gewinnt dieses Thema zunehmend an Bedeutung und generiert empirische Studien. Die drei Referate geben Einblick in die theoretische Debatte und laufende Forschung.

Polnische und türkische Neuzuwanderer in Deutschland

Prof. Dr. Claudia Diehl, Universität Göttingen

Es spricht viel dafür, dass die ersten Jahre nach der Zuwanderung eine besonders interessante und dynamische Phase im Integrationsprozess darstellen. Allerdings werden in den verfügbaren Surveys nur vereinzelt Migranten mit einer kurzen Aufenthaltsdauer im Zielland befragt, so dass über diese Gruppe bislang keine gesonderten Aussagen gemacht werden können. Anhand von Daten aus der ersten Welle des SCIP Projekts, einer Befragung von rund 8000 Neuzuwanderern in vier europäischen Destinationen, werden erste Befunde zu türkischen und polnischen Neuzuwanderern in Deutschland vorgestellt.

Im Zentrum des Vortrags steht die Frage, in welchem Verhältnis Identifikationsmuster und die frühe strukturelle Eingliederung bei beiden Gruppen stehen. Dazu wird zunächst analysiert, wie sich polnische und türkische Neuzuwanderer im Hinblick auf die Stärke ihrer Identifikation mit dem Ziel- und Herkunftsland unterscheiden und wie kompatibel diese unterschiedlichen identifikativen Bezüge faktisch und in der Wahrnehmung der Befragten sind. In einem zweiten Schritt sollen diese Identifikationen in Bezug zu strukturellen Merkmalen der Neuzuwanderer wie ihrem Bildungsniveau, ihrer frühen Positionierung auf dem Arbeitsmarkt des Ziellandes und ihrer migrationsbedingten Auf- oder Abwärtsmobilität gesetzt werden.

Dabei wird zum einen erwartet, dass die bikulturelle Identifikation mit Herkunfts- und Zielland bei den türkischen Neuzuwanderern weniger verbreitet ist als bei den polnischen. Zum anderen wird davon ausgegangen, dass bei türkischen Neuzuwanderern ein stärkerer Zusammenhang zwischen der Identifikation mit dem Zielland und der strukturellen Eingliederung besteht als bei den Polen. Dies wird auf den geringeren sozialen Gruppenstatus der türkischen Migranten und die für diese Gruppe salienteren ethnischen Grenzziehungen zurückgeführt.

Gender Inequalities in the Education of the Second Generation? A Comparative Study.

Prof. Dr. Cornelia Kristen & Dr. Fenella Fleischmann, Universität Bamberg

Much of the literature to date has either focused on gender differences or on ethnic/racial differences in education, usually focusing on one to the exclusion of the other. This contribution takes a different approach by capturing the interaction of gender and immigrant origin in comparison to the majority population. Western countries in recent decades have seen a reversal in gender inequalities, with girls overtaking boys (especially in school performance). In contrast, many ethnic minorities come from countries where male advantage in education remains very strong at all levels. A key question therefore is whether minorities, especially those from more traditional cultural backgrounds, have ‘assimilated’ to western patterns of female success, and at what stages of the educational career. Can the legacy of traditional gender patterns still be seen among some second-generation groups in Western countries? Does this vary across countries, with more open systems such as the US or British ones allowing traditional gender preferences to be continued and more ‘dirigiste’ systems such as the Dutch or German ones providing a greater force for assimilation? The main finding across all countries and groups considered is that the second generation has assimilated to the patterns of female advantage in educational achievement and attainment that we find among the majority populations in the countries under study. Furthermore, the variation in educational outcomes between men and women is generally smaller than that between different ethnic minority groups, suggesting that ethnic origin is a more important source of educational inequality than gender. Finally, our findings do not provide evidence for a consistent ‘double disadvantage’ in education (with regard to both immigrant/ethnic minority status and gender) for either girls or boys of ethnic minority backgrounds.

Ethnische Bildungsungleichheiten und die Effekte der Bildungssysteme

Prof. Dr. Hartmut Esser, Universität Mannheim

Ethnische Bildungsungleichheiten in Leistungen und Bildungserfolg sind ein in nahezu allen Aufnahmeländern vorzufindendes Phänomen, aber es gibt auch deutliche Unter-schiede im internationalen Vergleich. In dem Beitrag sollen zunächst einige dieser Unterschiede beschrieben werden, so weit wie möglich auch in der zeitlichen Entwick-lung. Vor diesem Hintergrund geht es dann um die Frage der speziellen Effekte der verschiedenen Bildungssysteme auf die ethnischen Differenzen in den Leistungen, auf das Leistungsniveau zwischen den Ländern und Bildungssystemen und die soziale Durchlässigkeit nach der Stärke des Einflusses der sozialen und ethnischen Herkunft. Besonders betrachtet werden dabei die Wirkungen der (frühen) Gliederung der Bildungs-wege in den differenzierten Bildungssystemen, etwa in Deutschland, Österreich oder den Niederlanden. Dabei wird auch auf aktuellere Ergebnisse zum Vergleich der Bundes-länder der Bundesrepublik Deutschland und evtl. Effekte spezieller Regelungen, wie die (Un-)Verbindlichkeit der Grundschulempfehlungen eingegangen. Die Befunde ent-sprechen nicht in allen Hinsichten dem in der Öffentlichkeit geläufigen Standardergebnis, wonach eine (frühe) Differenzierung nach Leistung das Leistungsniveau eher senke, die soziale Durchlässigkeit verringere und die ethnischen Differenzen verstärke. Es sieht vielmehr eher so aus, als profitierten (Migranten)Kinder unterschiedlicher sozialer Herkunft von jeweils unterschiedlichen Bedingungen der Differenzierung und Integration der Bildungssysteme und der damit einhergehenden intellektuellen und sozialen Segregation in den dazu gehörigen Schulen und Schulklassen.

2011 | Qualitätssicherung in der Umfrageforschung

Frank Faulbaum, Matthias Stahl & Erich Wiegand

Qualitätssicherung in der Umfrageforschung
Neue Herausforderungen für die Markt- und Sozialforschung

2012, 215 Seiten, mit 14 Abb.
ISBN: 978-3-658-00514-6
29,95 €

Zu beziehen über den Buchhandel oder direkt beim VS Verlag.

Der vorliegende Band vereinigt Beiträge zu den neuen Herausforderungen, die auf Grund der Entwicklung neuer Methoden, neuer Technologien und neuen sozialen Medien für die Qualität und die Qualitätssicherung in der Umfrageforschung erwachsen. Dabei geht es auch um die rechtlichen und berufsständischen Rahmenbedingungen.

Der Band richtet sich an jene Vertreter der Markt- und Sozialforschung, die eigene empirische Erhebungen durchführen oder die Qualität empirischer Erhebungen bewerten müssen.

 


Am 14.-16. Dezember 1951 fand auf Einladung der amerikanischen „High Commission Germany“ in Weinheim an der Bergstraße die erste so genannte „Weinheimer Tagung“ statt. Die Tagung gilt als Beginn der der Zusammenarbeit zwischen akademisch verfasster Sozialforschung und privatwirtschaftlich organisierter Markt- und Sozialforschung, die sich inzwischen zu einer Zusammenarbeit aller Verbände, ASI (Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute), ADM (Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute), BVM (Bundesverband Deutscher Marktforscher) und DGOF (Deutsche Gesellschaft für Onlineforschung) entwickelt hat. Die Zusammenarbeit hat sich in den vergangenen 60 Jahren sehr bewährt. Zahlreiche gemeinsame Aktivitäten wie die Tagungen von ADM, ASI und Statistischem Bundesamt zu wichtigen Themen der Sozialforschung, die Zusammenarbeit in DIN-Ausschüssen, die Erarbeitung von Qualitätsstandards und Datenschutzrichtlinien haben die Situation der empirischen Forschung in den letzten Jahre stark verbessert. Von besonderer Bedeutung sind die Gründung und die Zusammenarbeit im Rat der deutschen Sozialforschung einschließlich der angeschlossenen Beschwerderäte, welche die Einhaltung der Standes- und Qualitätsrichtlinien überwachen. Eine wichtige aktuelle Initiative stellt die gerade begonnene Initiative Markt- und Sozialforschung dar, die eine Verbesserung der Akzeptanz der Sozialforschung in der Bevölkerung erreichen möchte. Nicht zuletzt hat der frühzeitige Kontakt zu politischen Repräsentanten und Gremien zu einem besseren Verständnis der Probleme der Sozialforschung in der Politik beigetragen.

Aus Anlass des 60jährigen Bestehens der Zusammenarbeit von ASI und den übrigen Verbänden der Markt- und Sozialforschung führten wir am 24./25. November 2011 wieder eine gemeinsame Tagung durch.

Die Sicherung und Verbesserung der Datenqualität war und ist eine beständige Aufgabe der Zusammenarbeit zwischen ASI und den übrigen Verbänden, da mit der Einführung neuer Technologien auch immer wieder neue Herausforderungen für die Qualitätssicherung erwachsen. Es war daher nahe liegend, für die diesjährige Jubiläumsveranstaltung das Thema „Qualitätssicherung in der Umfrageforschung: Neue Herausforderungen für die Markt- und Sozialforschung“ zu wählen. Es handelt sich um ein Thema, das wegen seiner kontinuierlichen Aktualität bei den Mitgliedern der ASI und des ADM auf großes Interesse stoßen müsste. Die Tagung wird ausreichend Gelegenheiten zu Gesprächen und zum Gedankenaustausch geben. In diesem Sinne würden wir uns sehr freuen, Sie auf der Veranstaltung begrüßen zu können.

Prof. Dr. Frank Faulbaum                                 Hartmut Scheffler
Vorstandsvorsitzender ASI                                       Vorstandsvorsitzender ADM

2010 | Qualitätssicherung in der international vergleichenden empirischen Umfragepraxis

Ad-Hoc-Gruppe beim 35. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
11.-15. Oktober 2010 in Frankfurt am Main - Campus Westend  
– zugleich Wissenschaftliche Jahrestagung 2010 der ASI e.V. –
Donnerstag, den 14.10.2010 zwischen 14:15 und 17:00 Uhr, Raum IG 254

Erich Wiegand, ADM Frankfurt am Main
Normung und Zertifizierung als Mittel der Qualitätssicherung

Nico Siegel und Arnold Riedmann, TNS-Infratest Sozialforschung München
Qualitätssicherung im Rahmen internationaler Surveys -
surveypraktische Erfahrungen und Überlegungen aus der Sicht der Erhebungsinstitute

Achim Koch, GESIS Mannheim
Qualitätssicherung in international vergleichenden Umfragen: Das Beispiel ESS

Silke Schneider, Oxford University
Die Verwendung internationaler Standardklassifikationen in komparativen Umfragen:
ISCED im European Social Survey (ESS)

Beatrice Rammstedt, GESIS Mannheim
Programme for the International Assessment of Adult Competencies (PIAAC):
Ziele, Inhalte und Herausforderungen

Martina Brandt, MEA, Universität Mannheim
Neue Perspektiven der empirischen Alternsforschung: Lebensgeschichten, Biomarker und Prozessdaten -
Erfahrungen aus Sicht des Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE)

2009 | 60 Jahre empirische Sozialforschung in der BRD

2008 | Das andauernde Großexperiment

Deutsche und europäische Transformationen von 1989 bis heute

Die diesjährige wissenschaftliche Jahrestagung wird von Professor Heiner Meulemann (Universität zu Köln) organisiert und findet im Rahmen des 34. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (06.-10. Oktober 2008) in Jena statt.

Datum/Zeit 08.10.2008, 14:15
Ort/Raum Carl-Zeiss-Str. 3 / Hörsaal 3

Das Ende des Staatsozialismus vor fast zwanzig Jahren wurde in den Sozialwissenschaften als Herausforderung begrüßt, ein einmaliges natürliches Großexperiment, den Übergang der Staaten des früheren „Ostblocks“ von Diktatur zu Demokratie und von Plan- zu Marktwirtschaft, wissenschaftlich zu verfolgen. „Einmalig“ und „groß“ sei das Experiment vor allem deshalb, weil es sich auf mehrere Nationalgesellschaften gleichzeitig bezog und weil als „Kontrollgruppe“ sehr viele und sehr ähnliche Staaten verfügbar sind: in Deutschland die alte Bundesrepublik, in Europa die Staaten mit längerer demokratischer und marktwirtschaftlicher Tradition. In Deutschland wurde die Verfassung der alten Bundesrepublik auf die neuen Bundesländer übertragen, aber nach wie vor unterscheiden sich die Gesellschaften beider Landesteile: In Ostdeutschland hat sich ein eigenes Parteiensystem herausgebildet, die kirchliche und kirchenfreie Religiosität ist nicht wieder aufgelebt, die Zivilgesellschaft von Vereinen und freiwilligen Aktivitäten liegt nach wie vor danieder, das Leistungsprinzip steht immer noch Schatten sozialstaatlicher Forderungen. Auch die übrigen ehemals staatssozialistischen Staaten haben Parlamentarismus und Marktwirtschaft übernommen. Aber auch hier haben sich die früher bevormundeten Zivilgesellschaften noch nicht wieder erholt. Kurzum: Neue Sozialordnungen lassen sich schnell einführen, aber Menschen brauchen Zeit, um sich umzustellen. Das Großexperiment dauert an.

Es dauert so lange an, dass es droht, in der Gemeinschaft der wissenschaftlichen Beobachter vergessen zu werden. Das ist Anlass, sein Andauern auf einer sozialwissenschaftlichen Tagung in Erinnerung zu rufen und die Generalfrage zu stellen, wie es beurteilt werden kann. Genauer sollen drei Fragen behandelt werden. Erstens: Worin lag im Vergleich zur „Kontrollgruppe“ das experimentelle „treatment“, im Fortwirken der alten oder in der Einführung der neuen Verfassungen? Gab es reaktive Effekte auf die Einführung der neuen Verfassungen, die man zu Unrecht dem Fortwirken der alten zuschreibt? Salopp formuliert: War das Großexperiment ein „Hawthorne-Experiment“? Zweitens: Waren seine Effekte in unterschiedlichen Lebensbereichen ähnlich und ähnlich schnell oder nicht? Wie hat es z.B. auf die politische Kultur und die Zivilgesellschaft und wie auf das Leben und Denken im Alltag gewirkt? Schließlich drittens: Wie lange wird es andauern? Wann kann man von einem Ende, einem Erfolg oder Misserfolg, sprechen und inwiefern?

Vorträge

Moral economies across Europe: Results from the ESS
Stephen Farrall / Susanne Karstedt
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Geglückter Systemwechsel? Lebenszufriedenheit in Transformationsländern
Detlef Pollak
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Arbeitsmarktintegration in Ostdeutschland: Erfolge und Misserfolge im Vergleich zu Westdeutschland und Polen
Martin Diewald
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Transformationsdiskurse - revisited
Jan Delhey
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Anforderungen und Bewältigung des sozialen Wandels im Erwachsenenalter -
Vergleiche zwischen Regionen in Deutschland
Rainer K. Silbereisen
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2007 | Konsequenzen der Globalisierung für die international vergleichende Sozialforschung

2006 | Die Analyse von Gesellschaften

Die Analyse von Gesellschaften, Organisationen und Individuen in ihrem Zusammenhang
Theoretische und Methodische Herausforderungen

Hans J. Hummell (Hrsg.)
Bonn: GESIS-IZ 2007
(Sozialwissenschaftliche Tagungsberichte, Band 13), 180 Seiten
ISBN-10 3-8206-0157-0; ISBN-13 978-3-8206-0157-2

        

Mit diesem Band werden die Beiträge veröffentlicht, die auf der wissenschaftlichen Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft sozialwissenschaftlicher Institute (ASI) im Oktober 2006 in Kassel gehalten wurden.

Anhand empirischer Studien werden Probleme der theoretischen Konzeptualisierung und der Wahl angemessener Untersuchungsdesigns behandelt, die sich stellen, wenn in Mehrebenenanalysen Daten über Individuen mit systematisch gewonnenen Informationen über Strukturen und Prozesse von Organisationen verknüpft werden. Damit liefern sie einen wichtigen Beitrag zur Diskussion der theoretischen und methodischen Herausforderungen einer Analyse moderner Gesellschaften als „Organisationsgesellschaften“.
 

Inhalt

  • Vorwort
  • Stefan Liebig, Alexandra Krause: Arbeitsorganisationen als Kontext der Einstellungsbildung
  • Holger Alda: Welche Rolle spielen Betriebe bei der Generierung von Arbeitseinkommen
  • Anne Goedicke, Martin Diewald, Hanns-Georg Brose: Ungleiche Partner – gleicher Tausch? Zum Design einer Mehrebenenanalyse von sozialem Tausch in Beschäftigungsverhältnissen
  • Michael Windzio: Wer geht zuerst, wenn es für die Organisation schwierig wird? Eine organisationsökologische Analyse der Beschäftigung von Migranten und Frauen im sekundären Arbeitsmarkt
  • Beater Völker, Henk Flap: Feinde am Arbeitsplatz. Zur Entstehung von Feindschaften in Organisationen
  • Heinrich Best: Parlamente und Parteien als Kontexte legislativen Verhaltens. Eine Mehrebenenanalyse
  • Abstracts

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2005 | Stichprobenqualität in Bevölkerungsumfragen

Frank Faulbaum, Christof Wolf (Hrsg.)

Stichprobenqualität in Bevölkerungsumfragen

Bonn: Informationszentrum Sozialwissenschaften 2006
(Sozialwissenschaftliche Tagungsberichte, Band 12), 220 Seiten
ISBN-10 3-8206-0156-2; ISBN-13 978-3-8206-0156-5
10,- EUR

Der vorliegende Band enthält Beiträge einer Tagung über „Stichprobenqualität in Bevölkerungsumfragen”, die gemeinsam von Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute e.V. (ASI) und der Sektion „Methoden der Empirischen Sozialforschung” der Deutschen Gesellschaft für Soziologie am 14./15. Oktober 2005 in Berlin veranstaltet wurde.

Aufgrund der Bedeutung, die Umfragen für die wissenschaftliche Forschung und als Grundlage politischer Entscheidungen haben, ist die Qualität von Umfragedaten ein zentrales Thema der empirischen Sozialforschung. Die in diesem Band versammelten Artikel konzentrieren sich vor allem auf die Qualität der Stichprobe. Im Mittelpunkt der Beiträge stehen unterschiedliche Varianten der Stichprobenziehung, die Entwicklung und Optimierung von Schätzverfahren für verschiedene Erhebungsarten und Erhebungstechnologien sowie die Determinanten systematischer Ausfälle und Möglichkeiten ihrer Reduktion. Die Beiträge sind sowohl für Umfrageforscher als auch für Praktiker, die die Ergebnisse von Umfragen beurteilen müssen, bedeutsam.

  • Frank Faulbaum, Christof Wolf: Einleitung
  • Sabine Häder, Siegfried Gabler: Neue Entwicklungen bei der Ziehung von Telefonstichproben in Deutschland
  • Jürgen H.P. Hoffmeyer-Zlotnik: Stichprobenziehung in der Umfragepraxis – Die unterschiedlichen Ergebnisse von Zufallsstichproben in face-to-face-Umfragen.
  • Michael Blohm: Datenqualität durch Stichprobenverfahren bei der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften – ALLBUS
  • Sonja Krügener: Registergestützter Zensus – Aktueller Stand und Entwicklungsperspektiven
  • Ben Jann: Der Berner Stichprobenplan – Ein Vorschlag für eine effiziente Klumpenstichprobe am Beispiel der Schweiz
  • Christian Holst: Der Ipsos SOWI-Bus: Stichprobenanlage und erste Untersuchungsergebnisse
  • Ralf Münnich, Kersten Magg: Design und Schätzqualität im registergestützten Zensus Ergebnisse einer Monte-Carlo-Studie
  • Rainer Schnell, Mark Trappmann: Konsequenzen der Panelmortalität im SOEP für Schätzungen der Lebenserwartung.
  • Nina Baur: Ausfallgründe bei zufallsgenerierten Telefonstichproben am Beispiel des Gabler-Häder-Designs
  • Uwe Engel: Anreizeffekte in Studien der Markt- und Sozialforschung
  • Bernhard Schimpl-Neimanns: Zur Datenqualität der Bildungsangaben im Mikrozensus am Beispiel des Besuchs der gymnasialen Oberstufe und des allgemeinen Schulabschlusses

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2004 | Bildung und soziale Ungleichheit. Methodologische und strukturelle Analysen

Die Ergebnisse der Veranstaltung (Vorträge und Diskussionen) wurden zusammen mit den Ergebnissen der Jahrestagung 2003 (Bildung und soziale Ungleichheit in der vergleichenden Umfrageforschung) veröffentlicht.
    

In Zeiten der Individualisierung wird Bildung als eine Determinante wichtiger Einstellungen und Verhaltensweisen zunehmend bedeutsamer. In Zeiten der Globalisierung wird Bildung zu einem vorrangigen Feld der internationalen Konkurrenz – um Wissen, Arbeitsplätze und um Prestige. Aber die Bildungssysteme der Länder unterscheiden sich in ihrem Aufbau und den Leistungen, die sie vom ihrem Land erhalten (Finanzen); und spätestens seit PISA ist weithin bekannt, dass sich Bildungssysteme auch in den Leistungen unterscheiden, die sie für ihr Land bereitstellen (Fertigkeiten, Karrieren, Arbeitsmarktchancen der Schüler, Zufriedenheit der Bevölkerung).

Die international vergleichende Umfrageforschung hat daher gute Gründe, sich mit dem Vergleich von Bildungssystemen zu befassen. Zunächst verlangt der Vergleich von Bildungseffekten die Vergleichbarkeit der Abschlüsse zwischen den Ländern, deren Vorschulen, Schulen und Universitäten sich immer noch stark unterscheiden. Aber selbst wenn Vergleichbarkeit der Abschlüsse hergestellt ist, lassen sich unterschiedliche Effekte auf Bildungsabschlüsse und unterschiedliche Effekte der Bildung auf Einstellungen oder Verhalten noch nicht ohne Weiteres interpretieren. Sie können sich aus globalen Unterschieden der Bildungssysteme ergeben haben. So ist viel Streit darum entstanden, ob der starke Einfluss der sozialen Herkunft auf die Schulleistungen in Deutschland aus der Dreigliedrigkeit des Schulwesens, der fehlenden Ganztagsschule oder auf andere Besonderheiten des deutschen Schulsystems zurückgeführt werden kann. Auf der Tagung sollen vor allem die Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen und die globalen Unterschiede zwischen Bildungssystemen untersucht werden, die ihre unterschiedlichen Leistungen vielleicht erklären können.

2003 | Bildung und Bildungssysteme im internationalen Vergleich

Die Ergebnisse der Veranstaltung (Vorträge und Diskussionen) wurden zusammen mit den Ergebnissen der Jahrestagung 2004 (Bildung und soziale Ungleichheit in der vergleichenden Umfrageforschung) veröffentlicht.
    

Uwe Engel (Hrsg.)
Bildung und soziale Ungleichheit
Methodologische und strukturelle Analysen
Bonn: Informationszentrum Sozialwissenschaften 2005
(Tagungsberichte, Band 9), 140 Seiten
ISBN 3-8206-0147-3

Mit dem Band werden Beiträge veröffentlicht, die auf den wissenschaftlichen Jahrestagungen der Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute e.V. (ASI) im Herbst 2003 in Eichstätt und im Herbst 2004 in München gehalten wurden. Im Mittelpunkt stehen Bildung und andere Ungleichheitsfaktoren aus der Perspektive methodologischer und struktureller Analysen. Behandelt werden die Messung sozialer Herkunft in Schulleistungsuntersuchungen auf der Basis von Proxy-Angaben der Schüler und die damit verbundene Messfehlerproblematik, Fragen der international vergleichbaren Messung sozio-demographischer Variablen, die Schätzung von Statusinkonsistenz- und Mobilitätseffekten sowie die Analyse von Kooperationsnetzwerken im Forschungsfeld Bildung. Vorgelegt wird darüber hinaus im OECD-Vergleich eine Analyse öffentlicher und privater Bildungsausgaben.

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2002 | Der Sozialstaat in der amtlichen Statistik

Der Sozialstaat in der amtlichen Statistik
Angebote und Nachfragen

Heiner Meulemann (Hrsg.)
Bonn: Informationszentrum Sozialwissenschaften 2003
(Sozialwissenschaftliche Tagungsberichte, Band 6), 84 Seiten
ISBN 3-8206-141-4

Die Leistungskraft der amtlichen Statistik für Forschungen über den Sozialstaat war Thema der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute (ASI) im Oktober 2002 in Leipzig. Die Beiträge dazu sollten das Angebot der amtlichen Statistik mit der Nachfrage der Forschung in der Politikberatung und den Universitäten abgleichen, um Analysechancen zu erkunden und neue Erhebungsformen anzuregen. Das Angebot des Statistischen Bundesamts wird von seinem Präsidenten, das Angebot des Statistischen Amtes der Europäischen Gemeinschaft (EUROSTAT) vom Referatsleiter für Statistische Indikatoren vorgestellt. Die Nachfrage der politikberatenden Forschung wird von Vertretern der Forschungsinstitute der beiden Tarifparteien, die Nachfrage der universitären Forschung von Vertretern der Sozialindikatorenforschung aus der Volkswirtschaftslehre und der Soziologie dargestellt.

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Informationen zum Buch

Der Band dokumentiert die Beiträge die auf der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute e.V. (ASI) gehalten wurden, die zugleich die Ad hoc Gruppe 32 des 32. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie vom 7.-11. Oktober 2002 in Leipzig war. Das Thema des Kongresses „Entstaatlichung und soziale Sicherheit“ hat auch die Stichworte für das Thema der Jahrestagung „Der Sozialstaat in der Amtlichen Statistik – Angebote und Nachfragen“ gegeben. Es geht darum, was die amtliche Statistik zur Entwicklung des Sozialstaates im Rahmen des Nationalstaats und der volkswirtschaftlichen Gesamtrechung aussagen kann.

Der Band gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil wird das Angebot der amtlichen Statistik vorgestellt. Zunächst gibt Johann Hahlen, der Präsident des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden, in dem Beitrag „Entwicklungen des deutschen Sozialstaats – Daten der amtlichen Statistik“ eine Übersicht über die Gesamtentwicklung des westdeutschen – und ab 1991 gesamtdeutschen – Sozialstaats und über seine Stellung in den volkswirtschaftlichen Gesamtrechungen von 1960 bis 2001. Aber die Geschichte und die Wirkung des deutschen Sozialstaats gewinnen zusätzliches Profil, wenn sie mit der Geschichte und den Wirkungen anderer Sozialstaaten verglichen werden; zudem ist ein Teil des Drucks auf den Sozialstaat international erzeugt, so dass die vergleichende Perspektive sich aufdrängt. Klaus Reeh¸ Referatsleiter für Statistische Indikatoren für Konjunkturanalysen der Eurozone beim Statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaft (EUROSTAT) in Luxemburg, informiert in seinem Beitrag „Die amtliche europäische Sozialstatistik im Lichte politischer Prioritäten“ über Prinzipien und Formen der europäischen Sozialstatistik.

Im zweiten und dritten Teil berichten Nachfrager aus der Forschung der Politikberatung und der Universitäten über ihre Erfahrungen mit amtlichen Daten bei der Analyse sozialstaatlicher Entwicklungen. Als Nachfrager der Politikberatung habe ich Forscher aus den sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstituten der beiden Tarifparteien gebeten, ihre eigenen Forschungen zur Sozialpolitik vorzustellen und ihren Bedarf an amtlichen Daten anzumelden. Rolf Kroker, Leiter der Hauptabteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, referiert aus der Sicht der Arbeitgeber, Claus Schäfer, wissenschaftlicher Referent für Einkommens- und Vermögensverteilung im Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans Böckler Stiftung in Düsseldorf, referiert aus der Sicht der Arbeitnehmer zum Thema: „Sozialstaat, soziale Sicherung und amtliche Statistik – Forschungen und Forschungsbedarf“. Aus der Sicht beider Autoren ist die amtliche Statistik für sozialpolitische Erfolgsanalysen und für die Entwicklung einer sozialpolitischen Programmatik unverzichtbar. Zugleich aber besteht ein Bedarf vor allem für die Analyse von Individualdaten der amtlichen Statistik und für Längsschnittanalysen.

Als Nachfrager aus der Sozialwissenschaft referieren zwei Kollegen, die seit Jahren die Sozialindikatorenforschung in Deutschland in Bewegung gesetzt und gehalten haben. Richard Hauser, emeritierter Professor für Sozialpolitik an der Universität Frankfurt, stellt in seinem Beitrag „Sozialstaat und amtliche Statistik in der sozialpolitischen Forschung – der mikroanalytische Ansatz“ an drei Beispielen dar, wie Daten der amtlichen Statistik auf Individualebene zur Analyse sozialpolitischer Fragen genutzt werden können. Heinz-Herbert Noll, Abteilungsleiter Soziale Indikatoren beim Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) in Mannheim, untersucht in seinem Beitrag „Sozialberichterstattung, amtliche Statistik und die Beobachtung sozialstaatlicher Entwicklungen“ die Möglichkeiten und Begrenzungen der amtlichen Statistik für die Sozialberichterstattung, die neben objektiven Indikatoren der Lebenslage auch subjektive Indikatoren der Lebensqualität umfasst.

2001 | Fünfzig Jahre nach Weinheim

Heinz Sahner (Hrsg.)

Fünfzig Jahre nach Weinheim
Empirische Markt- und Sozialforschung
gestern, heute, morgen

2002, 187 S., brosch., 38,– EUR, 66,– sFr,
ISBN 3-7890-8184-1
erschienen im Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden

Informationen zum Buch

Im Jahre 1951 wurde in Weinheim eine mittlerweile legendäre Arbeitstagung zum Thema »Empirische Sozialforschung« auf Einladung der amerikanischen HICOG durchgeführt, an der nahezu alle führenden Sozialforscher teilnahmen, um einen Überblick über den Stand dieses sich rapide ausdehnenden Forschungsbereichs zu gewinnen.

Fünfzig Jahre später, im Oktober 2001, trafen sich wiederum prominente Forscher aus Wissenschaft und Praxis in Weinheim, um die Entwicklung seit dieser Zeit zu bilanzieren und Entwicklungstrends zu diskutieren:

  • So war das damals (v. Friedeburg);
  • Der Einfluß der USA (Gerhardt, Scheuch);
  • Lebensverhältnisse 1951-2001(Köcher);
  • Methodenentwicklung (Meulemann).

Wichtige Entwicklungen im Fach werden heute von der Praxis initiiert und hier aus erster Hand referiert:

  • Der »added value« durch Umfrageforschung (Wübbenhorst);
  • Rechtliche Rahmenbedingungen (Schweizer);
  • Qualitätsmanagement (Wiegand);
  • Stichprobenverfahren (von der Heyde);
  • Computerisierung der Datenerhebung (Scheffler);
  • Online-Forschung (Lanninger).

Abgedruckt ist ein Vortrag »Empirische Sozialforschung«, den Adorno im Jahre 1951 gehalten hat, der dann anschließend mehrfach modifiziert publiziert wurde und in diesem Band in der Originalfassung nachzulesen ist - eine Lektüre, die Überraschungen bietet.

2001 | Praxisrelevanz der Methodenausbildung

Praxisrelevanz der Methodenausbildung

Uwe Engel (Hrsg.)
Bonn: Informationszentrum Sozialwissenschaften 2002
(Sozialwissenschaftliche Tagungsberichte, Band 5), 231 Seiten
ISBN 3-8206-0135-X

Namhafte Sozialforscher aus Universitäten sowie Markt- und Sozialforschungsinstituten trafen sich im Juli 2001  zu einer Tagung an der Universität Bremen: Im Mittelpunkt der Tagung stand die Frage, ob die derzeitige Ausbildung in Methoden empirischer Sozialforschung und Statistik den beruflichen Anforderungen in Universitäten sowie akademischen und privatwirtschaftlich verfassten Forschungsinstituten gerecht wird. Gestützt auf Erfahrungen aus der Praxis, in jüngster Zeit veröffentlichten offiziellen Gutachten und Ergebnissen mehrerer Befragungsstudien zur Thematik, diskutieren die Beiträge, wie die Ausbildung in Forschungsmethoden und Statistik konzipiert und verbessert werden sollte, um Veränderungen im Methodeneinsatz und künftigen Anforderungen aus der Praxis der Sozialforschung entsprechen zu können.

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2000 | 1+1=1? Zehn Jahre vereintes Deutschland

Eine sozialwissenschaftliche Bilanz

1998 | Soziologie als angewandte Aufklärung

Heinz Sahner (Hrsg.)

Soziologie als angewandte Aufklärung
Weniger als erwartet, aber mehr als zu befürchten war.

Die Entwicklung der Nachkriegssoziologie aus der Sicht der frühen Fachvertreter

2000, 87 S., brosch., 22,– EURO, 38,70 sFr
ISBN 3-7890-6722-9
erschienen im Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden

 

Informationen zum Buch

Vor etwa fünfzig Jahren etablierte sich die deutsche Nachkriegs-Soziologie. Die »Kölner Zeitschrift für Soziologie« nahm ihr Erscheinen 1948 wieder auf, im folgenden Jahr erschien das erste Heft der »Sozialen Welt«. Die Sozialforschungsstelle Dortmund wurde 1947 gegründet und die »Arbeitsgemeinschaft sozialwissenschaftlicher Institute (ASI)« im Jahr 1949.

Heute bekannte Fachvertreter begannen ein universitäres Studium, nicht notwendig das der Soziologie. Was war ihr Impetus? Von welchen Hoffnungen und Erwartungen wurde er getragen? Wie wurde die bisherige Entwicklung des Faches beurteilt und was erhoffte man sich von der Zukunft?

In diesem Band schildern die prominenten Soziologen M.R. Lepsius, L. v. Friedeburg, B. Lutz, H. Popitz, L. Rosenmayr und E.K. Scheuch ihren Zugang zum Fach und stellen sich der Diskussion. Dabei zeigt sich: Die Nachkriegsgeneration knüpfte weder eng an der Vorkriegssoziologie an, noch an dem, was von dieser unter dem Nationalsozialismus übrig geblieben war. Es war und ist eine Soziologengeneration sui generis.