Verleihung ASI-Nachwuchspreis 2017

Der ASI-Preis 2017 ging an zwei Autorenteams. Ausgezeichnet wurden der Aufsatz von

Jähnen, Stefanie & Helbig, Marcel (2015): Der Einfluss schulrechtlicher Reformen auf Bildungsungleichheiten zwischen den deutschen Bundesländern Eine quasi-experimentelle Untersuchung am Beispiel der Verbindlichkeit von Übergangsempfehlungen. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 67:539–571.

und der Aufsatz von

Huber, Robert A. & Schimpf Christian H. (2016): A drunken guest in Europe? The influence of populist radical right parties on democratic quality. Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft, 10: 103–129.

Stefanie Jähnen und Marcel Helbig untersuchten den Einfluss variierender schulrechtlicher Reformen, insbesondere von Schullaufbahnempfehlungen auf die Bildungsungleichheit. Auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts und des Mikrozensus wurde der kausale Effekt von 13 Reformen zwischen den Schuljahren 1949/50 und 2009/10 analysiert. Dabei wird der kausale Effekt einer Intervention durch den Vergleich von Trends mit und ohne Intervention untersucht.

Die Arbeit wurde ausgezeichnet für die methodisch anspruchsvolle Nutzung von Daten der amtlichen Statistik für die Evaluation schulrechtlicher Regelungen, die präzise Herausarbeitung und Isolation der Treatment-Bedingungen sowie die theorie-basierte Ableitung der empirischen Hypothesen. 

Christian Schimpf und Robert Huber untersuchten in ihrem Aufsatz den Einfluss von rechtspopulistischen Parteien (PRRPs) auf die Demokratiequalität in Europa. Basierend auf dem theoretischen Rahmen von Mudde und Kaltwasser (2012) unterscheiden die Autoren zwischen Effekten von Populismus in der Opposition und Populismus in der Regierung. Die Autoren hatten die Erwartung, dass populistische Parteien in der Opposition als Korrektiv fungieren können und damit die Rolle eines „betrunkenen Gastes“ einnehmen, der unangenehme Wahrheiten ausspricht. In der Regierung hingegen ist es wahrscheinlicher, dass sich diese Parteien negativ auf die Demokratiequalität auswirken, da sie die Regeln öffentlichen und politischen Wettbewerbs nicht einhalten (z. B. Unterminierung der Legitimität demokratischer Organisationen).

In die Analyse einbezogen werden 30 Länder und 251 Kabinette. Überprüft werden die Hypothesen mit mixed-effects-Modellen, also Modellen mit so-wohl festen als auch zufälligen Effekten. Die Ergebnisse werden sehr differenziert dargestellt und ergeben keine klare empirische Widerlegung der an-gebotenen Hypothesen. Erwähnenswert erscheint mir, dass auch das Feindbild explizit in die Untersuchung einbezogen werden sollte. Der Preis wird vergeben für eine Arbeit, die mit präzisen Definitionen des Populismus und der demokratischen Qualität einen originären Beitrag zu den Auswirkungen des Populismus versucht. Die schwierige Operationalisierung wird auf hohem Niveau bewältigt. Die Analysemethode entspricht präzise den Anforderungen an die Hypothesenüberprüfung. Die theoretische Argumentation und die differenzierte Darstellung der Ergebnisse sind ungewöhnlich facettenreich.