Heiner Meulemann (Hrsg.)

Der Sozialstaat in der amtlichen Statistik

Angebote und Nachfragen
     
Sozialwissenschaftliche Tagungsberichte Band 6
Informationszentrum Sozialwissenschaften 2003
85 S., brosch., 10,– EURO
ISBN 3-8206-0141-4

Informationen zum Buch

Der Band dokumentiert die Beiträge die auf der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute e.V. (ASI) gehalten wurden, die zugleich die Ad hoc Gruppe 32 des 32. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie vom 7.-11. Oktober 2002 in Leipzig war. Das Thema des Kongresses „Entstaatlichung und soziale Sicherheit“ hat auch die Stichworte für das Thema der Jahrestagung „Der Sozialstaat in der Amtlichen Statistik – Angebote und Nachfragen“ gegeben. Es geht darum, was die amtliche Statistik zur Entwicklung des Sozialstaates im Rahmen des Nationalstaats und der volkswirtschaftlichen Gesamtrechung aussagen kann.

Der Band gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil wird das Angebot der amtlichen Statistik vorgestellt. Zunächst gibt Johann Hahlen, der Präsident des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden, in dem Beitrag „Entwicklungen des deutschen Sozialstaats – Daten der amtlichen Statistik“ eine Übersicht über die Gesamtentwicklung des westdeutschen – und ab 1991 gesamtdeutschen – Sozialstaats und über seine Stellung in den volkswirtschaftlichen Gesamtrechungen von 1960 bis 2001. Aber die Geschichte und die Wirkung des deutschen Sozialstaats gewinnen zusätzliches Profil, wenn sie mit der Geschichte und den Wirkungen anderer Sozialstaaten verglichen werden; zudem ist ein Teil des Drucks auf den Sozialstaat international erzeugt, so dass die vergleichende Perspektive sich aufdrängt. Klaus Reeh¸ Referatsleiter für Statistische Indikatoren für Konjunkturanalysen der Eurozone beim Statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaft (EUROSTAT) in Luxemburg, informiert in seinem Beitrag „Die amtliche europäische Sozialstatistik im Lichte politischer Prioritäten“ über Prinzipien und Formen der europäischen Sozialstatistik.

Im zweiten und dritten Teil berichten Nachfrager aus der Forschung der Politikberatung und der Universitäten über ihre Erfahrungen mit amtlichen Daten bei der Analyse sozialstaatlicher Entwicklungen. Als Nachfrager der Politikberatung habe ich Forscher aus den sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstituten der beiden Tarifparteien gebeten, ihre eigenen Forschungen zur Sozialpolitik vorzustellen und ihren Bedarf an amtlichen Daten anzumelden. Rolf Kroker, Leiter der Hauptabteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, referiert aus der Sicht der Arbeitgeber, Claus Schäfer, wissenschaftlicher Referent für Einkommens- und Vermögensverteilung im Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans Böckler Stiftung in Düsseldorf, referiert aus der Sicht der Arbeitnehmer zum Thema: „Sozialstaat, soziale Sicherung und amtliche Statistik – Forschungen und Forschungsbedarf“. Aus der Sicht beider Autoren ist die amtliche Statistik für sozialpolitische Erfolgsanalysen und für die Entwicklung einer sozialpolitischen Programmatik unverzichtbar. Zugleich aber besteht ein Bedarf vor allem für die Analyse von Individualdaten der amtlichen Statistik und für Längsschnittanalysen.

Als Nachfrager aus der Sozialwissenschaft referieren zwei Kollegen, die seit Jahren die Sozialindikatorenforschung in Deutschland in Bewegung gesetzt und gehalten haben. Richard Hauser, emeritierter Professor für Sozialpolitik an der Universität Frankfurt, stellt in seinem Beitrag „Sozialstaat und amtliche Statistik in der sozialpolitischen Forschung – der mikroanalytische Ansatz“ an drei Beispielen dar, wie Daten der amtlichen Statistik auf Individualebene zur Analyse sozialpolitischer Fragen genutzt werden können. Heinz-Herbert Noll, Abteilungsleiter Soziale Indikatoren beim Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) in Mannheim, untersucht in seinem Beitrag „Sozialberichterstattung, amtliche Statistik und die Beobachtung sozialstaatlicher Entwicklungen“ die Möglichkeiten und Begrenzungen der amtlichen Statistik für die Sozialberichterstattung, die neben objektiven Indikatoren der Lebenslage auch subjektive Indikatoren der Lebensqualität umfasst.